12. Juni 2026

Parelli – in oder out?

Ich habe so ein bisschen das Gefühl, Parelli Natural Horsemanship scheidet die Geister. Manche finden es toll, manche grob, andere längst überholt. Hier findet ihr ein paar meiner Gedanken dazu. 

Zunächst einmal ist es wichtig sich klar zu machen, dass Parelli ein Menschen-Ausbildungs-System ist, das als erstes für die Sicherheit des Pferdemenschen sorgen soll (Level 1). Und wenn ich unterrichten bin und sehe, wie oft Menschen von ihren Pferden überrannt, herumgeschubst oder für Leckerlies im „besten Fall“ nur liebevoll angeknabbert werden, hat das durchaus seine Berechtigung. Pferde sind nun mal Fluchttiere, und dabei ca. 10 Mal schwerer als wir. Wenn sie Schutz suchen, dann inmitten ihrer Herde. Wenn da nur Du bist, dann halt auf Deinem Schoß. 
Sicherheit schadet also schon mal nicht. 

Parelli ist aber nicht nur irgend eine weitere Technik, die einem erklärt, wie man an Seilen schüttelt und mit dem Stick herum wedelt – es beinhaltet ein sehr tief gehendes Verständnis von Natural Horsemanship. Und es ist wie so viele Dinge da draußen genau das, was Du daraus machst.
Das System ist so gestaltet, dass es jeder erlernen kann. Zu Beginn wird dabei wie gesagt der Fokus auf die Sicherheit des Menschen gelegt – und ja, dafür lernen wir zunächst unter anderem mit dem Seil zu schütteln sowie mit dem Stick als Armverlängerung umzugehen. Außerdem werden wir darin geschult, unsere Körpersprache bewusst einzusetzen, was uns auch im restlichen Leben sehr nützlich ist. Wir lernen auch einiges über den Umgang mit unseren Emotionen (Phasensystem) und darüber, sich dem Pferd gegenüber nicht wie ein Raubtier, sondern partnerschaftlich zu verhalten.

Die wenigen, die es schaffen, über die Parelli Basics (Level 1 und 2) hinaus zu kommen, erfahren mehr über die Anwendung der Parelli Prinzipien und erhalten ein tieferes Verständnis darüber, was es bedeutet ein wahrer Horseman / eine wahre Horsewoman zu sein. Und was es bedeutet, Pferd und Mensch physisch, mental und emotional in Balance zu bringen.
Was aber auffällig ist: Die meisten stagnieren in dem System, das Pat Parelli deutlich progressiver vorgesehen hätte. Level 1 sollte im Durchschnitt innerhalb einer Woche durchlaufen werden, Level 2 innerhalb eines Monats. Level 3 sollte ca. weitere 6 Monate dauern und Level 4 ein Jahr.
Und um ehrlich zu sein: vieles habe ich erst in Amerika verstanden, als ich auf der Ranch von Pat Parelli direkt mehr über die Philosopie und das „Warum“ erfahren habe, das hinter all den Techniken steckt.

Um also zu meiner Eingangsfrage zurückzukommen: Nein, meiner Meinung nach ist Parelli nicht out (vermutlich wäre ich sonst auch nicht Instruktorin geworden). Das kann es schlichtweg nicht sein. Natural Horsemanship ist es auch nicht. Und wie auch. Es ist eine Lebenseinstellung. Ein Ja zum partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd. 

Und im übrigen ist es nicht grob, ein Pferd vollkommen unemotional zu korrigieren, wenn es z.B. unseren persönlichen Bereich nicht respektiert – und zwar so, wie sich Pferde gegenseitig korrigieren. 
Ich gehe allerdings noch einen Schritt weiter: durch meine Ausbildung als pferdegestützter Coach ist mir stets bewusst, dass Pferde uns spiegeln, und hinterfrage das Verhalten des Pferdes daher nochmals auf andere Art und Weise. Auf was möchte es uns beispielsweise aufmerksam machen, wenn es unsere Grenzen überschreitet? Wo im Alltag passiert uns das noch?
Für mich ist das eine super spannende Kombination: Natural Horsemanship Training und Persönlichkeitsentwicklung. Klingt beides abgedroschen? Ist aber moderner und wichtiger denn je. 

Yvonne Weise Parelli Instruktorin spielt mit Pferd online an einem Wassergraben
Yvonne Weise sitzt mit Pferd in Wiese

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Yvonne Weise
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