
Connection is king
… und yielding ist nicht verhandelbar!
Erfahre hier mehr über eines meiner wichtigsten Learnings aus der Zeit mit Pat auf Parelli Landing.
Connection is king – diesen Leitspruch kennst du vermutlich, wenn du dich mit Horsemanship beschäftigst. Auch ich kenne ihn schon länger, aber was er wirklich bedeutet, ist mir während meiner Zeit auf Parelli Landing viel klarer geworden. Hier wird Verbindung intensiv und konsequent gelebt, hier geht z.B. keiner einfach zum Pferd in die Box oder zur Heuraufe und zieht ihm das Halfter an…
Ich nähere mich dem Pferd, halte inne sobald es mich wahrnimmt. Mit gespitzten Ohren schaut es mich an als würde es fragen: Hallo, bist du wegen mir hier? Ich biete ihm meine Hand an und das Pferd kommt auf mich zu. Es berührt mich mit der Nase, bevor ich die Erlaubnis habe es zu berühren und zu halftern…
Der Horseman’s Handshake – nur ein Beispiel dafür, wie hier Connection is king gelebt wird. Das schöne daran: Die Pferde sind alle neugierig und dem Menschen gegenüber aufgeschlossen und schließen sich ihm an, auch wenn sie ihn noch gar nicht kennen.
Auf Parelli Landing wird parallel dazu aber noch etwas anderes gelebt: Wenn hier dem Pferd eine Frage gestellt wird, ist das auch so gemeint. Es wird eine angemessene Antwort auf Druck vom Pferd erwartet, und das jedes Mal. Denn Yielding ist nicht verhandelbar. Die Frage bleibt dabei idealerweise trotzdem immer eine Frage und kein Befehl; wir stellen sie so, dass falsche Antworten schwieriger für das Pferd zu finden sind und die richtige dafür umso einfacher. Aber wenn wir ein Leader für die Pferde sein wollen, müssen wir eben beides schaffen: Rapport und Respect.
Dass das schwierig auszubalancieren ist, ist definitiv so, und das haben wir auch auf Parelli Landing erlebt. Denn Pferde hinterfragen ihr Gegenüber regelmäßig und im Alltag schleichen sich schnell Dinge ein, die so nicht gewollt sind. Wenn es z.B. schnell gehen muss, und man das Pferd dabei überrumpelt hat. Oder ein anderes, für mich sehr einprägsames Beispiel: Pat ist einmal eines der Pferde geritten, mit dem wir in den Wochen zuvor abwechselnd gespielt hatten. Er war nicht gerade begeistert, weil das Pferd nicht angemessen auf seine Fragen reagiert hat – weil wir es die letzte Zeit offensichtlich nicht so genau genommen haben. Wir hätten von diesem gut ausgebildeten Pferd mehr erwarten können! Alles bedeutet etwas. Alles was wir erlauben, lehren wir den Pferden. Mir hilft dabei jetzt vermehrt das Motto: „Expect a lot, accept a little, reward often.“
Was in meinen Augen eines der wichtigsten Dinge ist, die wir verstehen dürfen: wie wir unemotional durch unsere Phasen gehen können. Wenn wir Pferde beobachten, wie sie sich im Alltag gegenseitig in der Herde wegschicken, sehen wir klare Kommunikation über ihre Körpersprache ohne Emotionen. Sie informieren, warnen, drohen, zwicken sich. Ohne Wut oder Zögern auf der einen Seite und ohne nachtragend zu sein auf der anderen Seite.
Und das ist das Geheimnis: Wir können Pferde in einer Phase 4 ohne Emotionen treffen wenn es nötig ist, ohne sie dabei körperlich und emotional zu verletzen. Werden wir dagegen emotional dem Pferd gegenüber, kann das sehr schnell unfair werden, dafür braucht es keine Phase 4. Auf der anderen Seite spüren Pferde genau, wenn wir nicht bereit sind zu treffen, und handeln uns gegenüber dann auch entsprechend.
Da fällt mir gleich das Prinzip Nr. 5 ein: „The attitude of justice is effective“. Es bedeutet, dass wir effektiv sein müssen um gerecht sein zu können und dass wir gerecht sein müssen um effektiv sein zu können. Das kann auch bedeuten, eine Frage oder Aufgabe zu unterbrechen, damit wir zuerst die Verbindung zu unserem Pferd wiederherstellen können. Denn Connection is king und gutes Horsemanship bedeutet eben auch, zu sehen dass und warum das Pferd gerade nicht angemessen antworten kann und die Verbindung wieder herzustellen, bevor man nochmal fragt. Manchmal reicht es dafür schon zu überprüfen, ob man selbst noch klar und dabei nicht hart geworden ist. Genauso wollen wir einem Pferd nie ein schlechtes Gefühl dafür geben, die Verbindung zu uns zu suchen, wenn sie z.B. beim Zirkeln zu uns kommen wollen anstatt weiterzulaufen. Ein kurzes Dankeschön bevor wir das Pferd wieder auf den Zirkel schicken verändert viel. Es bedeutet eben aber auch, bereit zu sein, seine Frage „fertig zu stellen“, bei Bedarf Grenzen zu setzen.
Mitunter habe ich das Gefühl, dass Menschen aus Angst die Verbindung zu ihrem Pferd zu verlieren auf klare Grenzen verzichten. Aber Pferde leben natürlicherweise in einem Herdenverband, der ihnen Sicherheit durch klare Struktur und Regeln bietet. Sie wollen sich auf uns verlassen können! Und das geht nur, wenn wir sie zugleich mit all ihren Bedürfnissen als Fluchttier wirklich sehen und gleichzeitig berechenbar für sie sind. Und ganz nebenbei geht es beim Thema Grenzen setzen und am Respekt arbeiten auch um unsere Sicherheit. Neben einem Pferd, das meist ca. 10 Mal so schwer ist wie wir und als Fluchttier blitzschnell reagiert, ziehen wir nun mal schnell den kürzeren. Noch dazu in einem Umfeld mit Straßenverkehr etc. ist es einfach gefährlich, wenn das Pferd erst hinterfragt, ob es jetzt wirklich zuhören soll!
Wir brauchen also beides, Rapport und Respekt. Wenn wir die Balance dazwischen suchen und mit unseren Pferden klar, konsequent und liebevoll umgehen, können wir zu dem Partner werden, dem es wert ist zu folgen.

… und yielding ist nicht verhandelbar!
Erfahre hier mehr über eines meiner wichtigsten Learnings aus der Zeit mit Pat auf Parelli Landing.

Ich habe ein bisschen das Gefühl, Parelli scheidet die Geister. Manche finden es toll, manche grob, andere längst überholt.
Yvonne Weise
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Yvonne Weise
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